Unter Schwaben in Berlin

Der Klaus war gestern am Kollwitzplatz. Dort scheint zwar weniger Berlin als Stuttgart zu sein, dennoch konnte er die wenigen Neugierigen verstehen. Protest gab es, trotz Wutbürger_innen-Reizthema Mauerpark und Kastanienallee, gar nicht. Die Pankower_innen saßen wahrscheinlich eher in den Cafès, waren vor dem Regen auf der Flucht oder haben gar nicht mitbekommen, daß der große Berlin Versteher bei ihnen vor die Haustür gekommen war. Vielleicht sind aber die Schwab_innen auch gar nicht in Berlin gemeldet, sondern immer noch in Nürtingen, in Neckarsulm oder sonstwo.

In Neukölln wird es anders aussehen. Selbst das Künstler_innen-Establishment rebelliert gegen den Senat und den Bezirk. Eine Unterschriftensammlung der Vereine Kulturnetzwerk und Schillerpalais kämpft elitär und sozialchauvinistisch, wie Analyse Kritik Aktion schreibt, „Für den Erhalt der Neuköllner Kulturszene“ mit mehr Geld, mehr 1-Euro-Jobber_innen, mehr prekäre Künstler_innen und für eine Künstler_innen-Tafel.

Außerdem gibt s da noch die Buşkowsky Jugend, die für Monokulti, mehr Kartoffeln und die Salbung von Heinz Buschkowsky zum Patriarchen von Neukölln kämpft. Ein schwuler Multikulti-Freund dürfte der BJ gar nicht gefallen. Der hat ja nicht mal was gegen Migrant_innen, Muslim_innen, Roma oder andere nicht-deutsche (weiße) Menschen.

Also, das Protestpotenzial in Neukölln reicht von ganz „rechts“ über die unpolitische Künstler_innen-Elite der Mitte bis zu den linksradikalen Chaoten_innen-Rändern. Das wird ein Spaß!