Rechtsbruch, massenhaft Sicherheitskräfte und bezahlte Applaudeure

Die SPD wollte, daß 500 Menschen zum internen Wahlkampfmonolog ohne Publikumsbeteiligung auf den Platz der Stadt Hof kommen sollten. Und wie gewünscht, waren sie da. Auch wenn es höchstens 200, eher aber 100-150 Neuköllner_innen waren. Die Hälfte davon waren übrigens Sicherheitskräfte – ohne die seit Wochen eingeführte persönliche Kennzeichnung – und ein paar Dutzend Zivis, welche die langweiligste Veranstaltung, die je in Neukölln stattfand, fast schon gekesselt hatten. Ansonsten waren ein paar Dutzend stille Protestierende da. Die eilig herbei telefonierten Sozialdemokrat_innen wirkten irgendwie desinteressiert und wenig in missionarischer Laune. Parteiwerbung sind die Wahlschläfer_innen wenig los geworden. Übrigens hat allein die Ankündigung des Protestes für Presseinteresse gesorgt.

Die taz war da. Der Tagesspiegel auch und hat schon einen relativ langen Artikel veröffentlicht. Interessant ist, daß allein die Nicht-Anmeldung einer Demo die Polizei offenbar ganz schön unter Druck setzte. Kurz, Wowereit und Buschkowsky haben abgesprochene Fragen beantwortet, die der_ie sozialdemokratische Animator_in routiniert gelangweilt abspulte. Die Antworten waren uniteressant. Die Themen im Kiez wurden nicht angesprochen. Aufwertung und Vertreibung von Neuköllner_innen wurde nicht besprochen. Die Situation der Roma im Kiez kam ebenfalls nicht vor. Die massiv steigenden Mieten wurden verharmlost und als quasi nichtexistent verkauft.

Die circa ein Dutzend SPD Applauder_innen gefiel’s, die anderen circa 50-60 Menschen waren wenig beeindruckt. Wirklich ein fetter Reinfall war diese Veranstaltung für Wowereit, Buschkowsky und die SPD. Statt 500 kamen vielleicht 200. Davon waren circa 60-70 uniformierte Polizist_innen. Weitere ungefähr 20-25 Zivis trieben sich rum. Der Rest protestierte und ging schnell wieder. Die SPD intessiert sich null für Neukölln und die Probleme im KIez. Wowereit versteht gar nix, weil er mehr damit zu tun hat sich auf dem Podium als großer Max zu inszenieren. „Klaus im Kiez“ hat mit Kiez wenig zu tun! Einfach nur lächerlich.

Trotzdem war der Nachmittag erfolgreich. Nur allein die Ankündigung von Wut führt zu einem massivem Aufgebot von Sicherheitskräften. Passant_innen fragen sich, wie mehrfach zu hören war, warum die Politker_innen soviel Schiß haben und sich schützen lassen. Des Weiteren dekonstruiert die Anwesenheit der Presse bei angekündigten Protesten, die Irrelevanz von Themen bei der täglichen Berichterstattung. Erst, wenn es knallen könnte, lohnt es sich zu berichten. Die Enttäuschung, daß es gar nicht dazu kam, entlarvt ebenfalls die Unsicherheit.

Also, die Mission wurde gleich doppelt erfüllt!